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Der große Traum des kleinen Präsidenten
PARIS IST SEIT JEHER urbanistisches Experimentierfeld, Repräsentationszone und Abbild französischer Politiker-Visionen.
Der gegenwärtige Präsident Nicolas Sarkozy will es seinen Vorgängern gleichtun und mit dem Projekt Grand Paris ein Zeichen setzen.
Der französische Staatschef wünscht sich ein Groß-Paris, das in vielerlei Hinsicht Grenzen überschreitet. Der rund 200 Kilometer entfernte Atlantikort Le Havre wird zum Hafen von Paris aufgewertet. Und zehn Umlandregionen sind Teil eines räumlichen Entwicklungsvertrages (CDT - Contrat de Développement Territorial), der am 3.Juni 2010 gesetzlich verankert wurde. Bis zum Jahr 2030 sollen Gelder in den Ausbau von Forschungs-, Ausbildungs- und Innovationszentren fließen.
„Grand Paris Express“
Verbunden werden die Regionen durch eine vollautomatische UBahn. Vor kurzem wurden konkrete Schritte gesetzt, den „Grand Paris Express“ tatsächlich einzurichten. Sein erstes Teilstück soll den Pariser Osten mit dem Norden verbinden. Vier Milliarden Euro wurden dafür schon zugesichert, insgesamt rechnen die Verantwortlichen mit 23 Milliarden für das gesamte Bahnlinien-Verkehrskonzept. Herzstück ist die rund 155 Kilometer lange vollautomatische U-Bahnlinie, die den Flughafen Orly im Süden über Descartes-Noisy im Osten mit dem Flughafen Charles de Gaulle in Roissy verbindet und weiter bis zu La Défense und Versailles im Westen reicht. Noch sind die Trassen nicht festgelegt, eine Volksbefragung soll dazu im nächsten Jahr stattfi nden, wobei es auch noch eine regionale Alternative gibt: den Arc Express. Dessen Befürworter argumentieren mit dichten Intervallen, auch in der Nacht, und mit kurzen Reisezeiten. Im Zuge dessen sollen regionale Zentren rund um die vierzig neu zu errichtenden Bahnhöfe entstehen. Der Investitionsumfang entspricht etwa dem, den der französische Staat in der Vergangenheit für die Luftfahrt, die Breitbandtechnologie oder die Hochgeschwindigkeitszüge aufgebracht hat.
Visionen von Nouvel bis Rogers
Schon vor mehr als zehn Jahren erlebte Paris unter François Mitterand einen Bauboom, der mit dem „Grand Arche de la Fraternité“, besser bekannt als La Défense, mit der Glaspyramide im Louvre und der Nationalbibliothek Wahrzeichen generierte. Unter Sarkozys Regentschaft wurden zehn Architekten und Urbanisten eingeladen, ihre Vorstellungen vom Paris der Zukunft zu defi nieren. Von Jean Nouvel bis zu Antoine Grumbach zieht sich ein grüner Faden durch die Vorschläge: Die Stadt soll pflanzen- und klimafreundlicher sowie nachhaltiger werden. Das manifestiert sich in Ideen, die Solarpaneele auf die Dächer platzieren (der niederländische Architekt Winy Maas), Dachflächen zu Grüninseln machen (der britische Architekt Richard Rogers) oder die Metropole überhaupt als Riesenblume assoziieren (der Franzose Roland Castro). 2009 fand der Wettbewerb statt, seine Ergebnisse kursieren in ganz Europa, allerdings pausiert der Prozess nun in seiner weiteren Umsetzung. Ein Faktum, mit dem der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë gar nicht glücklich ist, betrifft dies doch auch die Wohnsituation. In einem Communiqué vom 10.Oktober 2011 kritisiert der Sozialist, dass für den Vertrag der Regionen (CDT) viel Zeit und Geld investiert wird, während für die Errichtung von Sozialwohnungen die Kredite gekürzt werden.

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