Über den Gleisen des Gare d´Austerlitz entsteht Rive Gauche mit Büros, Bildungseinrichtungen und sozialem Wohnbau. c) iStockphoto

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Im Schatten von La Défénse

DIE ZWEI MILLIONEN Einwohner Metropole Paris lebt von ihren historischen und aktuellen Gegensätzen, die sich auch anhand ihres sozialen Wohnbaus ablesen lassen.

Während die Stadt prägende Viertel wie La Défénse internationale Aufmerksamkeit bekommen und einzelne Gebäude wie das Institut du Monde Arabe, das Palais Omnisports oder die Bibliothèque Nationale de France nach wie vor architektonische Anziehungspunkte sind, befindet sich der soziale Wohnbau im Schlagschatten der baulichen Prominenz. Das mag daran liegen, dass nicht Objekte, also Wohnanlagen, gefördert werden, sondern die Mieter eine finanzielle Unterstützung erhalten. Folglich ist sozialer Wohnbau kein politisches Programm, sondern beschränkt sich auf Einzelmaßnahmen. 

Wohnen über dem Bahnhof
Eine der größten Baustellen Frankreichs befindet sich im südöstlichen Teil der Stadt. Das Projekt Rive Gauche liegt im 13. Arrondissement, zwischen – besser: über – den Geleisen des Gare d’Austerlitz und dem Ufer der Seine. Auf 130 Hektar Stadtgebiet, wovon 26 Hektar Schienenflächen sind, entstehen Büros, kulturelle und öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Universitätsgebäude sowie soziale Wohnbauten. Von den 4000 dort geplanten Wohnungen soll die Hälfte für bedürftige Familien reserviert sein, 60 Prozent der angebotenen Studentenwohnungen (knapp 600 Einheiten) sind für Einkommensschwache konzipiert. Das verbessert wohl die Bilanz des leistbaren Wohnungsangebots in Paris, ist jedoch noch weit von jener Quote entfernt, die das Gesetz vorsieht. Man will 20 Prozent der Wohnungen als Sozialwohnungen anbieten, derzeit sind es gerade mal 14 Prozent. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2008 eine Errichtungsgesellschaft gegründet (SEMAPA), die sich aus öffentlichen und privaten Investoren zusammensetzt, Präsident ist der Bezirksbürgermeister. Bis zum Jahr 2013 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein, derzeit steht in Tolbiac-Chevaleret das erste Gebäude.

Sich selbst überlassene Wohnhäuser
Vor sechs Jahren war der Vorort Aulnay-sous-Bois, 14 Kilometer nordöstlich des Zentrums, Schauplatz zahlreicher Unruhen, die lokale Arbeitslosigkeit ist dreimal höher als generell in Frankreich und die Lebensbedingungen sind verbesserungswürdig. Knapp nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen wurde mit dem Programme de Renovation (PRU) Aulnay-sous-Bois begonnen. Sich selbst überlassene Wohnhäuser, die schlecht ausgestattet, aber trotzdem überbelegt waren, wurden teilweise abgerissen, teilweise renoviert. Ob es gelingt, in Zukunft mehr Solidarität zu leben, wie es sich auf der offiziellen Homepage der Gemeinde nachlesen lässt, wird die Zukunft zeigen. Das Programm läuft schon dieses Jahr aus.