Der Solar Tree könnte in Zeiten der Energiediskussion ein Zeichen für zukunftsfähige Lösungen sein. Foto: Artemide

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Kein Weg zur Erleuchtung

DIE KINDERGARTENKINDER in Wien haben es verstanden, wie man Licht aufdreht. Es ist Laternenfestzeit.

Doch anderswo geht leider die Birne aus. Und man ist Lichtjahre davon entfernt, eine gute Lösung zu finden.

Als vor vier Jahren der britische Designer „Mister Organic“ Ross Lovegrove nach Wien kam, um seinen Solar Tree feierlich zu enthüllen, waren alle wie vom Donner gerührt. Schließlich war es eine Weltpremiere, für die ausgerechnet Wien ausgesucht worden war. Jeder fand sie einfach toll, diese Leuchte, die untertags Sonnenlicht tankt und in der Nacht wieder abgibt. Die Entscheidungsträger, aber warteten, bis das „Gewitter“ vorüberzog. Devise: Ignorieren. Oder noch besser: Totschweigen.

Sack-Gasse
Denn es war ein reinigendes „Gewitter“. Der Solar Tree ist – wie der Name schon sagt – eine Straßenleuchte in Form eines Baumes, der sich aus dem grauen Asphalt der Straßen empor rankt. Er birgt Solartechnik vom Feinsten in sich, und hätte in Wien auf fruchtbaren Boden stoßen und anwurzeln sollen. Nun gut. Alles vergossene Milch. Wien hat seine Chance (wieder einmal) nicht wahrgenommen, dafür lieber die originalen Gusseisensockel samt originaler Beleuchtungsmaste entsorgt. Die kümmerlichen Reste der 100 originalen Gaslaternenkandelaber vergammeln im Depot der MA 33, die meisten davon sind in den Schrott gewandert. Einmalig im internationalen Vergleich. 

Knie-Schuss
Dabei waren die Aussichten gar nicht so schlecht: Anfang der Neunziger wurde in einem Arbeitskreis der MA19 ein Leitbild für die Straßen- und Platzgestaltung erarbeitet, das die Erhaltung des historischen Charakters zum Ziel hatte. Unpassende Elemente sollten entfernt und nur dort, wo keine historischen Vorbilder gegeben waren, sollte das Mobiliar durch Zeitgemäßes ersetzt werden. Doch davon wollte Wien letztlich doch nichts mehr wissen: 2002 kam es zur Umgestaltung des Schwarzenbergplatzes, der bis dahin der einzige Bereich der Ringstraße war, innerhalb dessen Lichtmaste von 1904 noch in größerer Zahl vorhanden waren. Drei Jahre später, 2005, wurde die historische Straßenmöblierung im gesamten Ringstraßenbereich sukzessive abgeräumt. Und durch historisierende Nachbauten ersetzt. Auch der Wiener Graben fiel dem Kahlschlag zum Opfer und erkennt sich selbst nicht wieder – nicht einmal als Kopie.

Ikonen-Status
Was soll´s. 2011 ist der Solar Tree nun serienreif. Nach drei Jahren intensiver Forschung und Entwicklung kann die nun wohl innovativste Straßenbeleuchtung für den öffentlichen Raum ausgeliefert werden mit 360 Solarzellen Akkus, die unsichtbar im „Stamm“ der Leuchte integriert sind. Diese wiederum versorgen die energiesparenden LEDs in den „Blättern“ und „Halmen“. Durch eine elektronische Steuerung wird nur genau so viel Licht abgestrahlt, wie es die jeweilige Lichtsituation erfordert. Der Solar Tree garantiert seinem Betreiber Autonomie von öffentlichen Stromversorgern. Grundsätzlich ist es ist ihm aber auch möglich am Stromnetz zu hängen. Gerade in einer Zeit post Fukushima oder auch Frankreich, das als Europas größter Atomstromnutzer mit explodierenden AKW-Teilen zu kämpfen hat, könnte der leuchtende Baum ein klares, weithin sichtbares Zeichen sein. Nicht nur, weil er grün ist. P.S. Aber nicht in Wien.