Das 240 Meter hohe Leadenhall Building („The Cheese Grater“) von Lord Richard Rogers entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Swiss Re Building („The Gherkin“) von Konkurrenten Sir Norman Foster. (British Land)

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Stadt im Höhenrausch

Seit der Jahrtausendwende erlebt London einen neuen Hochhausboom. Zurzeit sind im Finanzdistrikt mehr als 30 Bürohochhäuser von mehr als 150 m Höhe in Bau.

Man könnte meinen, im fiebrigen New York der Dreißiger zu sein. Damals wetteiferten Empire State und Chrysler Building um die Rekordmarke des höchsten Gebäudes der Welt. Heute heißen die Ehrgeizlinge „The Shard“, die Scherbe, und „The Pinnacle“, die Zinne.

Überhaupt scheint die City of London, das Finanzzentrum der Stadt, eine einzige Baustelle zu sein. Beinahe verzwergt wirken da Landmarks wie „The Gherkin“, das Gewürzgurkerl, bürgerlich Swiss Re Building, 2001-04 gebaut vom Architekten Lord Norman Foster und mit läppischen 180 m knapp zwei Drittel so hoch wie Scherbe und Zinne. Wegen seiner wackligen Themse- Fußgängerbrücke hinüber zur Tate Modern wird Foster gerne auch „Lord Wobbler“, Lord Wackler, genannt.

Fast harmlos mutet da der Kosename „Inside-Out Building“ für den High-Tech-Büroturm der Versicherung Lloyd‘s of London an, entworfen 1978-86 von Fosters ehemaligem Partner, dem (mittlerweile zum Lord geadelten) Architekten Richard Rogers. Glasscherbe, Zinne und Käsereibe Auch heute bauen die Großen der englischen Architektur in Londons Zentrum. Von Rogers stammt der Entwurf der steilen Pyramide des „Shard“, die an der London Bridge emporwächst. Ihre 310 Höhenmeter werden auf 71 Etagen ein Restaurant, ein Fünf- Sterne-Hotel, Luxuswohnungen und vor allem Büros beherbergen.

Der offiziell Bishopsgate Tower genannte „Pinnacle“, geplant vom New Yorker Architekturbüro Kohn Pederson Fox und Heimat für 88 000 qm Bürofl äche, wird zwar nur 288 m und 63 Stockwerke hoch, dafür aber etwas früher fertig als die Scherbe und darf sich so wohl zumindest eine Zeitlang als (nach dem Mercury City Tower in Moskau) zweithöchstes Gebäude Europas fühlen – auf jeden Fall aber als Bau mit der größten Solarzellenfläche Englands.

Kohn Pedersen Fox bauen gerade auch den Heron Tower (46 Stockwerke), der New Yorker Architekt Rafael Vinoly „The Walkie-Talkie“ (36 Stock), Lord Rogers „die Käsereibe“ (Leadenhall Building) mit 48 Etagen, während sich das vom Pariser Architekten Jean Nouvel entworfene Bürohaus „One New Change“ wohl nur wegen seines Standortes gegenüber St. Paul‘s Cathedral mit einer bescheidenen Höhe begnügt.

 

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